Keuzelijst Duits, aanvulling 2021-2022

Dit is de printversie van de keuzelijst.


Die Bagage

Monika Helfer
D21-01
Carl Hauser Verlag GmbH&Co, 2020, 159 p.

Josef und Maria Moosbrugger leben mit ihren Kindern am Rand eines Bergdorfes. Sie sind die Abseitigen, die Armen, die Bagage. Es ist die Zeit des ersten Weltkriegs und Josef wird zur Armee eingezogen. Die Zeit, in der Maria und die Kinder allein zurückbleiben und abhängig werden vom Schutz des Bürgermeisters. Die Zeit, in der Georg aus Hannover in die Gegend kommt, der nicht nur hochdeutsch spricht und wunderschön ist, sondern eines Tages auch an die Tür der Bagage klopft. Und es ist die Zeit, in der Maria schwanger wird mit Grete, dem Kind der Familie, mit dem Josef nie ein Wort sprechen wird: der Mutter der Autorin. Mit großer Wucht erzählt Monika Helfer die Geschichte ihrer eigenen Herkunft. Eine berührende Geschichte, die von einer Familie in einem kleinen Bergdorf erzählt, über Moral, Fremdenhass und Vorurteile und von den Einwohnern nur die Bagage genannt wird.

Mohr im Hemd oder Wie ich auszog, die Welt zu retten

Martin Horváth
D21-02
Verlag btb, 2012, 345 p.

Ali hat seine Augen und Ohren überall. Er ist so behauptet er jedenfalls fünfzehn Jahre alt und kommt irgendwo aus dem Westen Afrikas, spricht nach eigenen Angaben vierzig Sprachen und Deutsch am allerbesten und weiß genauestens Bescheid über das Leben und Sterben in den ärmeren Ländern der Welt. Ali kann alles und fristet sein Dasein nur aus einem Grund in einem Wiener Asylbewerberheim: Er, der Beschützer aller Gedemütigten, hat es sich zur ehrenhaften Aufgabe gemacht, seine Mitinsassen von ihren Ängsten und Albträumen zu befreien. Seine Wunderwaffe: das Erzählen. Humoristischer Roman über die aussichtslose Lage der Flüchtlinge in einem westlichen Land. Das Erzählen ist die Wunderwaffe der Hauptperson.

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Mutmassungen über Jakob

Uwe Johnson
D21-03
Verlag Suhrkamp, 2018, 307 p.
  • E-book

Wer war Jakob Abs? An einem nebligen Morgen im November wird der Achtundzwanzigjährige, der bei der Reichsbahn arbeitet, auf dem Gelände des Dresdner Bahnhofs von einer Lokomotive überfahren. Damit beginnen die kunstvoll formulierten Mutmaßungen der Erzählers: War es ein Unfall? Beging er Selbstmord? Und wenn ja: Was mag ihn dazu getrieben haben? Oder war es gar ein politischer Mord? Uwe Johnson (1934-1984) ist ein fast vergessener Autor, dessen Romane zu den besten des 20. Jahrhunderts gehören. Dies ist sein Debütroman aus 1959. Johnson verließ kurz nach Erscheinen des Textes die DDR und wurde von der literarischen Kritik zum Autor beider Deutschlande erkoren. Es gelang ihm aber weder im Osten noch im Westen Deutschlands zu leben. Ab 1974 fand er Domizil in Großbritannien. Johnson beschreibt das Leben in Deutschland West und Deutschland Ost - und was sie getrennt hat und trennen wird. Obwohl schon 1959 geschrieben, gewinnt sein Werk immer wieder neue Aktualität. Er erzählt humoristisch-hintersinnig, und er beschreibt die Verhältnisse detailliert. Seine Erzähltechnik, die sogenannte Montagetechnik war damals innovativ. Dieser Stil erfordert einen aktiven Leser.

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  • Der Autor über sich selbst (1968-1971)
  • Manfred Bierwisch erinnert sich an seinen Freund Johnson
  • Die Verleger Fellinger und Holbig sprechen über Johnson, 2018

Rückwärts Walzer

Vea Kaiser
D21-04
Kiepenheuer&Witsch, 2019, 420 p.

Drei Tanten, ein toter Onkel, ein Drittel-Life-Crisis-geplagter Neffe und eine tragikomische Reise durch die Jahrzehnte von Wien bis nach Montenegro. Voller Verve, Witz und Herzenswärme erzählt Vea Kaiser von einer Familie aus dem niederösterreichischen Waldviertel, von drei Schwestern, die ein Geheimnis wahren, von Bärenforschern, die die Zeit anhalten möchten, von glücklichen und tragischen Zufällen und von den Seelen der Verstorbenen die Lebende auf Trab halten, die uns begleiten, ob wir wollen oder nicht. Als Onkel Willi stirbt, stehen der Drittel-Life-Crisis geplagte Lorenz und seine drei Tanten vor einer Herausforderung. Willi wollte immer in seinem Geburtsland Montenegro begraben werden. Doch da für eine regelkonforme Überführung der Leiche das Geld fehlt, begibt man sich kurzerhand auf eine illegale Fahrt im Panda von Wien Liesing bis zum Balkan. Auf der 1029 Kilometer langen Reise finden die abenteuerlichen Geschichten der Familie Prischinger auf kunstvolle Weise zueinander. „Das mal berührende, mal lustig-skurrile Fabulieren beherrscht Vea Kaiser wie keine Zweite. Süddeutsche Zeitung

Tschudi

Mariam Kühsel-Hussaini
D21-05
Rowohlt Verlag, 2020, 320 p.

Gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts fand in der Welt der Künstler eine Revolution statt. Moderne Maler rebellierten gegen den akademischen Kunstbetrieb; die Impressionisten verließen die konservativen Künstlervereine und gründeten ihre Secession, zuerst in Wien und dann auch in Berlin. Dort war es Hugo von Tschudi, der Aufsehen erregte. Er war 1896 zum Direktor der Nationalgalerie ernannt worden. Mit dem Maler Max Liebermann fuhr er nach Paris, kaufte dort Werke von französischen Impressionisten, die er in der Nationalgalerie ausstellte. In national-konservativen Kreisen war die Empörung groß. Auch Kaiser Wilhelm II war entsetzt. Mariam Kühsel-Hussaini, in Afghanistan geboren, aber in Deutschland aufgewachsen, hat diesen Kampf um die moderne Kunst in Berlin romanhaft rekonstruiert. Sie hat Tschudi, als Mann und gelehrter Kunstkenner, zum Leben erweckt und den Berliner Kulturbetrieb rund 1900 eindrucksvoll beschrieben. Sehr lesenswert.

Ein schönes Paar

Gert Loschütz
D21-06
Schöffling & Co, 2018, 236 p.

Beim Ausräumen seines Elternhauses stößt der Fotograf Philipp auf einen Gegenstand, der in der Geschichte seiner Eltern eine entscheidende Rolle gespielt hat. Die beiden, Herta und Georg, waren ein schönes Paar. Philipp erinnert sich an ihr junges Liebesglück, ihre Hoffnungen und Gefährdungen, an die überstürzte Flucht seines Vaters aus der DDR in den Westen. Das hätte, da ihm die Mutter und der Junge ein paar Tage später folgten, der Beginn eines erfüllten Lebens sein können, tatsächlich aber trug die Flucht den Keim des Unglücks in sich. Nach und nach geht Philipp das Paradoxe der elterlichen Beziehung auf: Dass es die Liebe war, die ihre Liebe zerstörte. Damit aber ist die Geschichte, die auch sein Leben überschüttet hat, nicht vorbei. Am Ende stellt er fest, dass Herta und Georg all die Jahre über miteinander verbunden waren, auf eine Weise, die sie niemandem, nicht einmal sich selbst, eingestehen konnten. Es ist ein ergreifender Roman über Liebe und Vergänglichkeit vor dem Hintergrund der deutschen Teilung. Ein Roman, den man schnell noch einmal lesen möchte!

Dorfroman

Christoph Peters
D21-07
Luchterhand Literaturverlag München, 2020, 416 p.
  • E-book

Alles scheint noch vertraut in Hülkendonck, einem Dorf am Niederrhein. Als wären die dreißig Jahre, in denen der Erzähler hier nicht mehr lebt, nie gewesen. Sein Besuch bei den Eltern beschwört die Vergangenheit wieder herauf: die idyllische Weltfremdheit der 70er Jahre, den Beginn einer industriellen Landwirtschaft, die das bäuerliche Milieu verdrängt. Und den geplanten Bau des "Schnellen Brüters", eines neuartigen Atomkraftwerks, das die Menschen im Ort genauso tief spaltet wie im ganzen Land. Es ist jene Zeit, in der der Erzähler zu ahnen beginnt, dass das Leben seiner Eltern nicht das einzig mögliche ist - und in der er Juliane kennenlernt, eine Anti-Atomkraft-Aktivistin, die ihn in die linke Gegenkultur einführt. Dieser Roman ist vielschichtig und äußerst unterhaltsam geschrieben.

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  • Die Website des Autors
  • Christian Schröder schreibt am 21. Oktober 2020 im Tagesspiegel
  • Sabrina Peters schreibt am 11. November 2020 in den Niederrhein Nachrichten
  • Ingeborg Jaiser schreibt am 14. Dezember 2020 im Online-Kulturmagazin
  • Hochaktuell auch im Jahre 2020
  • Auf de.wikipedia.org/wiki findet man eine Eintragung über den Bauern Maas, unschwer als Bauer Praats zu erkennen

Allegro pastell

Leif Randt
D21-08
Kiepenheuer&Witsch, 2020, 288 p.
  • E-book

Dieser Text erzählt vom Glück. Tanja und Jerome sind ein hippes, aufgeklärtes Paar. Sie sind für einander da, ohne ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Tanja lebt in der Großstadt, ist kaum dreißig, ihr Debütroman genießt Kultstatus. Sie wartet auf eine explosive Idee für ihr neues Buch. Jerome, ihr Freund, ein gefragter Webdesigner, wohnt im Maintal. Die beiden haben eine Fernbeziehung. Sie bleiben über Text und Bild eng miteinander verbunden und besuchen sich für lange Wochenenden: Jogging durchs Naturschutzgebiet im Maintal oder sexpositives Ausgehen in Berlin. Eltern, Freundinnen und depressive Geschwister spiegeln ihnen ein Leid, gegen das Tanja und Jerome weitgehend immun bleiben. Doch der Wunsch, ihre Zuneigung zu konservieren, stellt das Paar vor eine große Herausforderung. Leif Randt ist ein junger Schriftsteller und dies ist sein vierter Roman. Sein Werk steht unter dem Einfluss vom Kino und von Autoren wie Peter Handke und Michel Houellebecq. Der Text beschreibt auf furchterregende Weise die Wirklichkeit der Wohlstandsgeneration in der Mittelschicht.

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Die Kapuzinergruft

Joseph Roth
D21-09
Reclam Verlag, 1938, 286 p.

Bis 1918 gab es im Herzen Europas ein riesiges Land: Österreich-Ungarn das sich kaiserlich und königlich nannte, weil der Kaiser in Wien auch König von Ungarn war, und noch vieles mehr, denn die Habsburger herrschten auch über Böhmen, Mähren, Galizien usw. In Die Kapuzinergruft beschreibt Roth meisterhaft den Untergang seiner geliebten Donau-monarchie und der ersten Republik. Roth ist ein großer Erzähler und dieser Roman ist voller Atmosphäre und Melancholie, wo man Sätze findet wie „So heiter war damals die Zeit! Der Tod kreuzte schon seine knochigen Hände über den Kelchen, aus denen wir tranken. Wir sahen ihn nicht… Der Held wird im März 1938 die Kapuzinergruft besuchen, wo man den letzten Kaiser neben seinen Vorfahren beerdigt hat. Sie war geschlossen. Österreich gab es nicht mehr. Wer wissen will, wie das soziale Leben sich in diesem Vielvölkerstaat gestaltete, sollte die Romane von Joseph Roth, geboren 1894 in Ostgalizien und gestorben 1939 in Paris, lesen

Der rechtschaffenen Mörder

Ingo Schultze
D21-10
Fischer Verlag, 2020, 320 p.

Norbert Paulini ist ein hoch geachteter Dresdner Antiquar, bei dem viele Bücherliebhaber die Treppen hochsteigen, um Schätze und Gleichgesinnte zu finden. Der beliebte und höfliche Herr Paulini hat immer auf und mit den Büchern gelebt, die sich bei ihm von den Laderäumen in seine Wohnung ausgebreitet haben. Auch in den neuen Zeiten, als die Kunden ausbleiben, versucht er, seine Position zu behaupten. Als Hüter der Literatur versucht er, einen Gegenentwurf zur Gesellschaft zu verkörpern. Wird das ein fataler Irrweg? Denn plötzlich steht ein aufbrausender, unversöhnlicher Paulini vor uns, der beschuldigt wird, an fremdenfeindlichen Ausschreitungen beteiligt zu sein. Ist dieser passionierte Leser, der Büchermensch, wirklich zum Täter geworden? Möchten Sie eine Liebeserklärung an das Papierbuch lesen? Ingo Schulze liefert sie Ihnen!

Der letzte Satz

Robert Seethaler
D21-11
Hanser Berlin, 2020, 125 p.
  • E-book

An Deck eines Schiffes auf dem Weg von New York nach Europa sitzt Gustav Mahler. Er ist berühmt, der größte Musiker der Welt, doch sein Körper schmerzt, hat immer schon geschmerzt. Während ihn der Schiffsjunge sanft, aber resolut umsorgt, denkt er zurück an die letzten Jahre, die Sommer in den Bergen, den Tod seiner Tochter Maria, die er manchmal noch zu sehen meint. An Anna, die andere Tochter, die gerade unten beim Frühstück sitzt, und an Alma, die Liebe seines Lebens, die ihn verrückt macht und die er längst verloren hat. Es ist seine letzte Reise. "Der letzte Satz" ist das Porträt eines Künstlers als müde gewordener Arbeiter, dem die Vergangenheit in Form glasklarer Momente der Schönheit und des Bedauerns entgegentritt. Ein ergreifendes, mit viel Empathie geschriebenes Porträt.

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Die Dame mit der bemalten Hand

Christine Wunnicke
D21-12
Berenberg Verlag Berlin, 2020, 168 p.
  • E-book

Bombay, 1764. Indien stand nicht auf dem Reiseplan und Elephanta, diese struppige Insel voller Schlangen und Ziegen und Höhlen mit den seltsamen Figuren an den Wänden, schon gar nicht. Doch als Forschungsreisenden in Sachen "biblischer Klarheit" zieht es einen eben an die merkwürdigsten Orte. Carsten Niebuhr aus dem Bremischen ist hier gestrandet, obwohl er doch in Arabien sein sollte. Ebenso Meister Musa, persischer Astrolabienbauer aus Jaipur, obwohl er doch in Mekka sein wollte. Man spricht leidlich Arabisch miteinander, genug, um die paar Tage bis zu ihrer Rettung gemeinsam herumzubringen. Um sich öst-westlich misszuverstehen und freundlich über Sternbilder zu streiten (denn wo der eine eine Frau erkennt, sieht der andere lediglich deren bemalte Hand). Es könnte übrigens alles auch ein Fiebertraum gewesen sein. Doch das steht in den Sternen. Ein Rezensent der FAZ schwärmt: „Ein Roman, der alles verknüpft: Götter und Menschen, Himmel und Erde, Orient und Okzident ?

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  • Andreas Platthaus schreibt am 17.9.2020 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
  • Ein Gespräch mit Claudia Kramatschek im Lesenswert Magazin können Sie beim SWR2 hören
  • Katrin Krämer schreibt am 2.9.2020 beim NDR-Kultur
  • Bories vom Berg schreibt am 16.11.2020 in der Literaturzeitschrift.de
  • Monika Wolting in der September-Ausgabe von literaturkritik.de
  • Am 4.11.2020 spricht Denis Scheck im Lesenswert Quartett u.a. über dieses Buch